Am 26. August 2026 wurde die Autonome Region Tibet in China sowie Nepal von einer schweren Sturzflut heimgesucht. Bis zum 28. August meldete Reuters mindestens 469 Tote und mehr als 1.000 Vermisste. Der US Geological Survey hat bestätigt, dass es sich bei dem ursprünglich als Erdbeben gemeldeten Ereignis tatsächlich um einen Gletschereinsturz und einen Murgang handelte, die flussabwärts katastrophale Folgen hatten.
Der Klimawandel beschleunigt das Abschmelzen der Gletscher in der gesamten Hindukusch-Himalaya-Region. Nach Angaben des World Wildlife Fund ziehen sich Nepals Gletscher um bis zu 15 Meter (50 Fuß) pro Jahr zurück. Mit steigenden Temperaturen gefährdet das Auftauen des Permafrosts die strukturelle Integrität der Berghänge zusätzlich. Das schmelzende Eis und der destabilisierte Permafrost lösen gemeinsam Bergstürze aus und führen zur Bildung instabiler Gewässer, was das Risiko tödlicher Überschwemmungen erheblich erhöht. Angesichts der für die kommenden Tage prognostizierten zusätzlichen Niederschläge sowie der weiteren Gefahr weiterer GLOFs (Glacier Lake Outburst Floods, Gletscherseebrechungen) bleibt die Gefahr nachfolgender Erdrutsche und Hochwasserereignisse weiterhin kritisch.
Dieses tragische Hochwasserereignis verdeutlicht Defizite bei der Klima-Überwachung in höher gelegenen Regionen sowie kritische strukturelle Einschränkungen grenzüberschreitender Frühwarnsysteme (Early Warning Systems, EWS) in der Himalaya-Region. Die Installation von Infrastruktur zur Klimaüberwachung im Himalaya ist jedoch schwierig und kostspielig. Zwar wurden in der Vergangenheit automatisierte Wetterstationen (AWS) eingerichtet, doch die langfristige Nachhaltigkeit stellt nach wie vor eine Hürde dar. Viele Stationen verfallen schon kurz nach ihrer Installation. Satellitenbilder sind zwar sehr nützlich, erfordern für eine korrekte Auswertung jedoch weiterhin Messdaten vom Boden.
Das Projekt HiM-DATA (High-altitude Monasteries for Data Acquisition, Tracking & Awareness), eine gemeinsame Initiative des ICWRGC, Small Earth Nepal, WMO, UNESCO, der „Friends of Volunteers Initiative Nepal“ (VIN) sowie der Abteilung für Hydrologie und Meteorologie der nepalesischen Regierung, zielt darauf ab, ein nachhaltiges Klimabeobachtungsnetzwerk in Höhenlagen (über 3.000 Meter) aufzubauen, das auf in Klöstern untergebrachten Wetterstationen basiert, um die Klimawissenschaft, die Katastrophenvorsorge und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden zu unterstützen.
Kloster in großer Höhe bieten eine einzigartige Lösung. Sie befinden sich an idealen Standorten zur Erfassung von Temperatur, Wind, Niederschlag, Sonneneinstrahlung, Gletscherschmelze, Bodenfeuchte und Permafrostveränderungen, und viele dieser Standorte sind ganzjährig bewohnt. Klöster bieten eine sichere Umgebung, die vor Vandalismus geschützt ist. Darüber hinaus lassen sich die dort ansässigen Lamas, Mönche und Nonnen problemlos darin schulen, AWS-Stationen auf ehrenamtlicher Basis zu warten – eine Aufgabe, die durch moderne, wartungsarme Technologie erleichtert wird. Die HiM-DATA-Initiative stellt einen wichtigen Schritt zur Bewältigung einer der hartnäckigsten Herausforderungen in der Hochgebirgsklimaforschung dar: den Mangel an kontinuierlichen, zuverlässigen meteorologischen Beobachtungen. Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Genauigkeit mit lokalem Engagement strebt HiM-DATA danach, widerstandsfähige, nachhaltige Systeme zur Überwachung einer sich rasch verändernden Hochgebirgsumgebung zu etablieren und sicherzustellen, dass die Stimmen und das Wissen der Hochgebirgsgemeinden für die Zukunft der Klimapolitik weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Um die von der jüngsten Sturzflut betroffenen Menschen zu unterstützen, hat UNICEF einen eigenen Spendenaufruf* gestartet:
https://www.unicef.org.au/donate/nepal-flash-flood-appeal-2026
*Bitte beachten Sie: Das ICWRGC ist an diesem Spendenaufruf nicht beteiligt und kann keine Verantwortung für die Gelder übernehmen.



